#15 Wenn nichts mehr geht - warum dein Kind im Sturm nicht lernfähig ist
Shownotes
Dein Kind schreit, tobt, hört nicht mehr zu und egal was du sagst oder erklärst, nichts kommt mehr an. Diese Momente fühlen sich hilflos an, überfordernd und oft auch beschämend: Warum hilft all das nicht, was sonst funktioniert?
In dieser Folge schauen wir genau dorthin, wo im Alltag alles kippt. Du erfährst, warum Kinder im Sturm nicht lernfähig sind und weshalb Erziehung, Erklärungen oder Konsequenzen in diesen Momenten ins Leere laufen oder die Situation sogar verschärfen.
Gleichzeitig öffnet diese Episode eine neue Perspektive: Was Kinder im Ausbruch wirklich brauchen, welche Rolle du als Erwachsene:r im Sturm einnimmst und warum nachhaltige Veränderung nicht im Wutanfall entsteh.
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Transkript anzeigen
00:00:10: Hallo und ganz herzlich willkommen beim Podcast Kleine Herzen, große Verbindung und in unserer letzten Folge der Serie über Aggression und Wutausbrüche.
00:00:20: Vielleicht kennst du das auch, du willst dann im Kind eigentlich nur schnell die Schuhe anziehen, weil ihr los müsst.
00:00:24: und dann passiert das.
00:00:25: Ein kleiner Moment, vielleicht die falsche Jacke oder der Reißverschluss klemmt oder die Socke sitzt nicht richtig und plötzlich stehst du mitten im Sturm und fragst dich, was passiert hier dann?
00:00:36: Ein Kind schreit, stampft, wirft sich auf dem Boden, Sein Gesicht wird ganz rot und es ruft, alles ist doof, ich will nicht!
00:00:43: Geh weg!
00:00:45: Du versuchst, ruhig zu bleiben.
00:00:47: Erklärst.
00:00:49: Atmest tief durch und sagst vielleicht, ach komm.
00:00:54: Mach jetzt mit, wir kommen sonst zu spät.
00:00:56: Du musst verstehen, dass wir die Jacke anziehen müssen, sonst frierst du danach draußen.
00:01:01: Und du merkst aber, dass jede Erklärung es noch schlimmer macht.
00:01:06: Dein Kind hört dich nicht, es kann dich nicht hören.
00:01:11: Es fühlt sich an wie ein Sturm, der alles mitreißt und nichts mehr bleibt und du stehst mitten drin und wolltest doch eigentlich nur eine Socke richten.
00:01:24: Vielleicht kennst du so ähnliches Szenen mit deinem Kind auch, vielleicht sogar noch viel heftiger, vielleicht sieht es bei dir ganz anders aus.
00:01:32: und doch gleich, dein Kind kommt von der Schule nach Hause und nichts mehr geht.
00:01:37: Es will nicht essen, nichts ist recht, unser Schimpfen hört nicht mehr auf.
00:01:43: Der Kern ist im Grunde immer derselbe.
00:01:46: Und genau da möchte ich heute mit dir hinschauen, was passiert mitten im Sturm und warum wir sagen in diesen Momenten so viele Erziehungstipps.
00:01:58: Warum hilft dann all das, was sonst hilft, nicht mehr?
00:02:01: Warum kommt nichts mehr an beim Kind?
00:02:05: Wer Erwachsene vergessen, nämlich manchmal, wie unfertig das kindliche Gehirn noch ist, wir vergessen, wie viel Entwicklung noch vor ihnen liegt vor den Kindern.
00:02:15: Und wir vergessen, wie schnell die inneren Sicherungen bei Kindern durchbrennen, wie schnell Kinder förmlich überwältigt werden.
00:02:25: In solchen Momenten ist ein Kind komplett in seinem Film.
00:02:30: Da gibt es nur noch Frustration, die sich ausdrückt.
00:02:36: in irgendeiner Form von Aggression.
00:02:38: Alles andere ist in dem Moment offline, wortwörtlich.
00:02:44: So wie das Licht in einem Haus ausgeht, wenn die Sicherung rausfällt.
00:02:47: Und wenn das Licht aus ist, dann kannst du noch so viele Schalter drücken.
00:02:52: Es bleibt dunkel und daran ändert sich auch nichts.
00:02:57: Ganz genauso ist es mit Worten, mit Erklärungen und Moralappellen.
00:03:03: Wir erreichen das Kind nicht.
00:03:05: nicht in diesem Moment.
00:03:08: Aber das Kind muss doch lernen das.
00:03:11: Ja, ich kann diese Gedanken.
00:03:14: Und ja, das stimmt.
00:03:17: Das Kind wird es lernen, aber nicht in diesem Moment.
00:03:24: Wenn du einem Ertrinkenden zu Hilfe eilst, dann nicht mit der Idee, ihm schwimmen beizubringen, oder?
00:03:30: Nicht mit der Haltung, er muss doch lernen, dass er zuerst ein guter Schwimmer werden muss und erst dann in den reißenden Fluss darf.
00:03:38: In diesem Moment geht es nicht darum, etwas zu lernen, in diesem Moment geht es darum, Leben zu retten.
00:03:44: Und ganz ehrlich, in einem Sturm im kindlichen Gehirn geht es genau auch darum, beziehungsweise bei der Begleitung von diesem Sturm im Gehirn unseres Kindes.
00:03:56: Es geht darum, Schaden zu begrenzen, die Situation zu überstehen, sodass möglichst niemand und nichts zu Schaden kommt.
00:04:05: Alles andere kann in diesem Moment warten.
00:04:11: Alles andere ist nicht unwichtig, aber es kann warten.
00:04:16: Es gibt einen großen Denkfehler, den was alle Eltern machen.
00:04:19: Wenn ein Kind austickt, tun, gefühlt, neun in neunzig Prozent aller Eltern genau das, was uns in diese Situation instinktiv einfällt.
00:04:28: Nämlich wir erklären, wir ermahnen, wir appellieren, wir wollen Einsicht erzeugen.
00:04:35: Hör doch auf zu schreien.
00:04:37: Beruhige dich, ich helf dir ja.
00:04:39: Ich habe dir doch gesagt, dass wir gleich los müssen und dass du vorher die Jacke anziehen musst.
00:04:45: Ich habe dir doch schon tausendmal erklärt, dass wir die Socken nicht verändern können.
00:04:50: Wir versuchen zu führen, versuchen Halt zu geben, aber wir führen auf eine Art und Weise, die in diesem Moment zum Scheitern verurteilt ist.
00:05:03: Das ist, als würdest du einem Kind, das gerade fällt, eine Gebrauchsanweisung fürs Balancieren vorlesen.
00:05:11: Es klappt nicht.
00:05:12: Es kann nicht klappen.
00:05:13: Es bringt nichts mehr.
00:05:15: Es ist schon zu spät.
00:05:18: Und doch tun es so viele Eltern, weil sie keine Alternativen können.
00:05:23: Und oft entsteht daraus dann eine zweite Welle.
00:05:28: Zur Frustration des Kennen, das die ja schon riesig ist, kommt unsere eigene Frustration dazu.
00:05:35: Unsere eigene Hilflosigkeit, unser Gefühl, nicht durchzukommen, nichts erreichen zu können, und dann werden wir lauter und härter.
00:05:45: Oder ziehen uns innerlich zurück.
00:05:49: Und das Kinder lebt mitten im Sturm, mitten in seiner riesigen Überforderung.
00:05:54: Zusätzliche Trennung.
00:05:57: Mama ist gegen mich.
00:05:59: Das wiederum erzeugt ja noch mehr Panzerung.
00:06:04: Der Sturm hobt dann umso heftiger.
00:06:08: Und das ist fatal.
00:06:10: Du erinnerst dich?
00:06:11: Probleme mit Aggression haben wir immer dann, wenn das Herz unseres Kindes hart geworden ist.
00:06:17: Gordon Neufeld nennt das "Gepanzert".
00:06:19: Und wenn der Ausgang der Adaption, der Trauer und der Tränen versperrt ist.
00:06:26: Wenn der Elternteil dann auch noch hart, belehrend und vorwurfsvoll wird, laut wird, ist das, als würde man Öl ins Feuer gießen.
00:06:35: Die Frustration des Kindes wird noch mehr.
00:06:38: Die wird nicht kleiner logischerweise, sondern noch mehr.
00:06:41: Mama ist gegen mich, dass es furchtbar für das Kind.
00:06:45: An der Stelle sagen mir Eltern aber oft, ja hey, wenn ich dann meinen Kind ins Zimmer sperre, dann hört es auf zu schreien.
00:06:53: Oder wenn ich dann meinen Kind anbrülle, dann wird es ganz brav.
00:06:58: Ich frag dann jeweils gerne zurück, ob die Eltern so das Problem mit der Aggression und den Wutausbrüchen wirklich nachhaltig lösen konnten.
00:07:08: Nein, natürlich nicht.
00:07:10: Logischerweise nicht.
00:07:12: Wir sind noch keine Eltern begegnet, die mit Härte die Aggressionsprobleme ihres Kindes nachhaltig lösen konnten.
00:07:21: Warum aber funktioniert es scheinbar in diesem Moment?
00:07:25: Weil es funktioniert sehr gut, weil das Bindungsbedürfnis unserer Kinder größer ist als alles andere.
00:07:33: Wenn das Kind in Panik gerät, Mama oder Papa zu verlieren, überlagert diese Panik alles, die Wut gerät vorübergehendem Hintergrund.
00:07:43: Ihr erinnert euch, ein Kind unter sieben und oft noch weiter über hinaus kann nur ein Gefühl zur Zeit.
00:07:51: Wenn das Kind Angst hat, Panik hat Papa zu verlieren, die Verbindung zu Mama zu verlieren, dann ist da kein Raum mehr.
00:07:59: Für die Wut.
00:08:01: Ist aber seine Wut, seine Frustration damit aufgelöst, ist die Aggression dadurch weg, natürlich nicht.
00:08:07: Sie hat sich sogar vermehrt, deutlich vermehrt, unbemerkt vermehrt im Hintergrund, und wird beim nächsten Ausbruch, sich um so heftige Luft verschaffen.
00:08:21: Das ist ein Teufelskreis und es ist gut, wenn wir dem auf die Schliche kommen.
00:08:27: Und es bleibt die große Frage, was braucht ein Kind denn in diesem Moment vom Überwältigt werden wirklich?
00:08:35: Es braucht in diesem Moment keine Erziehung, weil sie mitten im Sturm nichts bringt.
00:08:42: Es braucht keine Ermahnung, es braucht keine Erklärungen.
00:08:46: Auch wenn sie noch so logisch sind.
00:08:49: Und ja, es braucht auch keine Konsequenzen.
00:08:53: Was dein Kind in diesem Moment vom Überwältigt werden braucht?
00:08:58: Es braucht dich.
00:09:00: Nicht deine Worte, nicht deine Lösungen.
00:09:04: Dich.
00:09:06: Deine Wärme.
00:09:07: Deine innere Ruhe, deine schützende Haltung.
00:09:12: Wenn ein Kind mitten im Sturm ist, braucht es eine sichere Insel.
00:09:16: Braucht es Halt.
00:09:17: Es braucht jemanden an seiner Seite, jemand, der sagt, sprachlich oder auch ohne Worte, ich halte dich.
00:09:25: Wir kommen da zusammen wieder raus.
00:09:29: Das ist jetzt schlimm, aber wir schaffen das.
00:09:34: Es braucht Schutz und jemanden, der sich diesen Wellen gewachsen weiß.
00:09:41: Und ja, ich weiß, wir Erwachsenen fühlen uns in diesem Moment den Wellen oft auch nicht gewachsen, aber das kann man lernen.
00:09:51: Was ist mit Konsequenzen?
00:09:53: Was ist mit Grenzen?
00:09:54: Das Kind muss doch etwas lernen.
00:09:58: Kennst du diese Stimmen?
00:10:00: Ich kenne sie sehr, sehr gut.
00:10:02: Schau, wenn wir im Sturm erziehen, dann arbeiten wir gegen eine Kraft, die immer stärker ist als wir.
00:10:12: Jetzt sagst du vielleicht, ja, aber mein Kind weiß es doch ganz genau.
00:10:15: Ja, klar.
00:10:16: In einem ruhigen Moment weiß dein Kind es vielleicht ganz genau.
00:10:22: Aber im Sturm geht es nicht um Wissen.
00:10:24: Es geht nicht darum, dass ein Kind kognitiv etwas verstanden hat.
00:10:28: Es geht darum, dass die Frustration, ihr erinnert euch an einen himmelblauen VW-Bus im Verkehrskreisel, dass die Frustration übermächtig geworden ist.
00:10:40: Mächtiger als alles, was das Kind bis dahin verstanden hat.
00:10:45: Über Grenzen lohnt es sich immer dann zu sprechen, wenn die Beziehung warm und aktiv ist.
00:10:54: Wir werden dem Programm ganz ausführlich darüber reden, wie du die Bindung aktivieren kannst.
00:10:59: Nur wenn dein Kind innerlich ruhig und offen ist, zu dir aufschaut und von dir lernen möchte, nur dann kannst du ihm die Welt erklären.
00:11:08: Beziehungsweise nur dann kommen deine Erklärungen auch beim Kind an.
00:11:13: Alles andere ist wie Regen, der auf eine Glasscheibe prasselt, er pellt halt ab.
00:11:20: Im schlimmsten Fall richtest du damit sogar Schaden an.
00:11:24: Kinder lernen nicht im Sturm, sondern nach dem Sturm.
00:11:29: Das ist ganz wichtig.
00:11:31: Kinder lernen nicht im Sturm, sondern nach dem Sturm.
00:11:35: Was du stattdessen im Sturm tun kannst, ist, dass du alternative Ausgänge ermöglichst.
00:11:41: Wenn ein Kind im Sturm feststeckt, dann braucht es vor allem eines einen anderen Ausgang für diese übermächtige Frustrationsenergie, weil die muss raus.
00:11:52: Frustration will sich aus von ihrer Natur her bewegen.
00:11:57: Sie sucht sich immer einen Ausweg nach draußen.
00:12:01: Und wenn es keinen Ausweg gibt, nimmt sie oft einen sehr schlechten.
00:12:06: Dann fliegt etwas, dann wird geschlagen, dann wird geschrien.
00:12:10: Deshalb ist eine ganz wichtige Aufgabe von uns Erwachsenen, ungefährliche Wege, diese Energie zu ermöglichen.
00:12:19: Das können ganz einfache Dinge sein, wie Stampfen, Drücken, ziehen, etwas zerreißen.
00:12:25: auch laut sein dürfen, alles was dem Körper erlaubt, Spannung los zu werden, ohne dass jemand verletzt wird dabei.
00:12:33: Auch Spiele bieten sich hier oft an, vor allem wenn wir sie rechtzeitig anbieten.
00:12:38: All diese alternativen Ausgänge müssen wir rechtzeitig anbieten, sonst wird es immer schwieriger.
00:12:45: Im Programm wird mir ganz viele solche Möglichkeiten gemeinsam anschauen, gemeinsam üben, Ideen, wie du deinen Kind helfen kannst, diese Energie auf sicherer Weise loszuwerden.
00:12:56: Und gleichzeitig ist mir eines ganz wichtig, das klar zu sagen, das ist und bleibt Notfallmedizin.
00:13:05: Die ist im Moment entlastend, aber sie ist nicht die eigentliche, die nachhaltige Lösung.
00:13:11: Damit sorgst du nur dafür, dass nicht unnötig noch mehr Schaden angerichtet wird.
00:13:16: Weil langfristig geht es um etwas ganz anderes.
00:13:20: Langfristig geht es darum, dass dein Kind wieder Zugang findet zu seinen Gefühlen, zum verletzlichen Teil seines Herzens und zu den Tränen, zu Trauer und letztendlich zur Adaption, Zugang zu seinem weichen Herzen.
00:13:37: Immer dann, wenn ein Kind in einem Sturm feststeckt, wissen wir, ist sein Herz hart geworden, aus Schutz, aus gutem Grund, aber mit fatalen Folgen.
00:13:50: Ein hartes Herz kann nicht weinen.
00:13:53: Aber nur über die Tränen und die Trauer, nur mit einem weichen Herzen, kann Frustration wirklich abfließen, nachhaltig abfließen.
00:14:04: Deshalb ist die tiefere Frage nicht, wie verhindere ich den nächsten Ausbruch, sondern, wie helfe ich meinem Kind, wieder weich zu werden.
00:14:14: Und das ist in der Regel ein Weg.
00:14:16: Du kannst deinem Kind nämlich nicht das befehlen, dass sein Herz wieder weich werden soll.
00:14:21: Du kannst ihm das auch nicht erklären.
00:14:24: Wenn wir die fehlenden Tränen direkt ansprechen beim Kind, wird die Schutzmauer ums Herz des Kindes in der Regel sogar noch etwas dicker.
00:14:34: Das ist zu verletzlich.
00:14:36: Wir können nur für genügend Schutz sorgen, sodass die Schutzmauer mit der Zeit schmelzen kann.
00:14:46: Und dieses wirklich, was ich jetzt gerade angesprochen habe, ist wirklich eine sehr verbreitete Falle.
00:14:51: Ich sehe sehr viele Eltern, die ihm oder nach dem Sturm anfangen zu fragen.
00:14:55: Die des Kind fragen, warum hast du denn so getobt?
00:14:58: Warum hast du deine Schwester gehauen und ihr Weh getan?
00:15:02: Diese Fragen sind verständlich, aber sie bringen nichts, weil das Kind es in der Regel selbst gar nicht weiß.
00:15:11: Ein Kind im Sturm hat keinen Überblick.
00:15:14: Das fällt keine überlegten Entscheidungen.
00:15:18: Das Kind mitten im Sturm hat keinen Zugang zu Ursache und Wirkung.
00:15:24: Wir Erwachsen verstehen, was Frustration ist.
00:15:28: Wir haben eine Idee, was im Kind vorgeht.
00:15:32: Wenn du die vergangenen Podcast-Folgen, gehört hast, dann kannst du das Ganze einordnen.
00:15:38: Und du hast vielleicht Grundideen, woher diese Frustration kommen könnte im Leben deines Kindes.
00:15:45: Ein Kind fühlt nur, da muss was raus aus mir, aber sofort.
00:15:51: Und wenn ein Kind explodiert, dann nie wegen der Jacke, dann nie wegen des Reißverschlusses, auch nicht wegen der Socke, die zwickt, wobei das schon für manche Kinder echt ein störendes Ding sein kann.
00:16:04: Ich möchte das überhaupt nicht runterspielen, aber das ist in dem Moment immer der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt.
00:16:13: Davor war schon ganz viel.
00:16:15: Davor war vielleicht ganz viel Anpassung, sich zusammenreißen.
00:16:20: Davor war vielleicht zu wenig Halt für das Kind.
00:16:23: Zu viel, was es innerlich einfach geschluckt hat.
00:16:27: Zu viel sich alleine fühlen.
00:16:32: Unsere Aufgabe ist es nicht, das Verhalten zu bestrafen, sondern herauszufinden, was für dieses Kind gerade unerträglich geworden ist.
00:16:45: Und dies können wir am besten durch Beobachten herausfinden.
00:16:49: Oder allenfalls durch ein ruhiges Gespräch in einem ruhigen Moment.
00:16:54: sehr viel später, sehr viel Zeit nach dem Sturm.
00:17:00: Ein Kind, das im Sturm nicht allein gelassen wird.
00:17:04: Ein Kind, das im Sturm erlebt.
00:17:06: Ich finde es gerade ganz furchtbar.
00:17:09: Aber Mama ist bei mir.
00:17:11: Dessen Herz kann wieder weich werden.
00:17:15: Und ein weiches Herz brauchen wir unbedingt, wenn wir uns für unser Kind wünschen, dass es Resilienz entwickelt, dass es Einsicht entwickelt, dass es sich entschuldigen kann und einen gesunden Umgang mit Frustration lernt.
00:17:36: Das alles brauchen unsere Kinder, wenn sie später mit beiden Beinen im Leben stehen sollen unbedingt.
00:17:44: Aber wir können die Unreife, die sie jetzt noch haben, das Verhalten Was sich bei uns überfordert anfühlt, wir können das nicht wegdiskutieren, wenn es aus Überwältigung entsteht.
00:17:57: Wir müssen vielmehr das Kind dorthin begleiten, wo es sich selber wieder fühlen kann, ohne von den Gefühlen überrollt zu werden.
00:18:06: Wir können und dürfen kein Verhalten wegdiskutieren, das aus Überwältigung entsteht.
00:18:12: Wir müssen das Kind dorthin begleiten, wo es sich selber wieder fühlen kann, ohne... von seinen Gefühlen überrollt zu werden.
00:18:20: Das ist Bindungsarbeit.
00:18:23: Und Bindungsarbeit ist immer Entwicklungsarbeit, weil Entwicklung passiert immer im weichen Herzen.
00:18:33: In dieser Serie über Wutausbrüche und Aggression, die mit der heutigen Folge zu Ende geht, im Wissen, dass es zu dem Thema noch ganz viel zu sagen geben würde, in dieser Serie ging es nie um Wutausbrüche an sich.
00:18:47: Es ging immer um das, was darunter liegt, was dahinter liegt.
00:18:51: Weil nur wenn wir dort ansetzen bei der Ursache, nur dann können wir nachhaltig etwas verändern.
00:18:58: Wir haben in dieser Serie gesehen, dass Aggression bei noch unreifen Kindern kein Charakterfehler ist.
00:19:06: Anders sieht es natürlich bei Erwachsenen aus, aber Aggression in dieser Form, wie wir darüber gesprochen haben, bei unreifen Kindern ist kein Charakterfehler.
00:19:16: Sie entsteht, wenn Frustration übelmächtig wird und das Kind keinen guten Ausgang findet, weil das kindliche Gehirn noch keinen Ausgleich findet und auch noch nicht abwägen kann.
00:19:30: Es kann noch nicht abwägen, wo ich für Platz fast verwut und ich würde dich am liebsten zusammenschlagen, aber ich habe dich ja auch lieb.
00:19:38: Diese sowohl als auch diese verschiedenen Stimmen, die gibt es im unreifen Gehirn, das kennt das noch nicht.
00:19:46: Der rote Faden, der durch alle Folgen sich durchgezogen hat, war immer derselbe.
00:19:52: Wir wollen nicht das Verhalten reparieren, sondern die Beziehung sichern und das Herz unserer Kinder langfristig weich behalten, zugänglich behalten, weil wir nur so die natürliche Reifung unserer Kinder unterstützen können.
00:20:10: Und wir wollen nicht dressierte Kinder, sondern reife Kinder.
00:20:15: Vielleicht spürst du jetzt auch, dass dieses Wissen etwas in dir verändert.
00:20:20: Deine Sichtweise verändert sich.
00:20:22: Aber das verändert sich womöglich noch nicht automatisch dein Alltag.
00:20:26: Weil nachhaltige Veränderung entsteht natürlich nicht in zwanzig Minuten Podcast, sie entsteht in Begleitung, mit viel Zeit, mit Raum, die eigene Situation anzuschauen und Antworten auf persönliche Fragen zu bekommen.
00:20:41: Und so findest du heraus, was ist für mein Kind Jetzt gerade zu viel, wo staut sich Frustration aus?
00:20:48: Und wie kann ich in meiner ganz konkreten Situation alternative Ventile anbieten?
00:20:54: Wie kann ich in unserer Situation die Beziehung halten, auch dann, wenn es stürmt?
00:21:00: Wenn du merkst, dass du hier gerne noch tiefer gehen möchtest, wenn du nicht nur verstehen willst, sondern auch verändern möchtest, dann schau dir super gerne das Programm kleine Abenteurer liebevoll betleiten, weniger Schimpfen, mehr Staueln an.
00:21:15: für Eltern von Kindern zwischen null und zehn Jahren, das Programm ist ein Ort, wo wir gemeinsam hinschauen, wo wir sortieren und dich persönlich begleiten.
00:21:25: Im Podcast gehen wir jetzt gemeinsam weiter weg vom akuten Sturm, hinten zu einem Thema, das viele Eltern leise und doch sehr hartnäckig beschäftigt und oft verunsichert, die anhänglichen Kinder, Kinder, die viel näher brauchen, die nicht loslassen wollen, die klammern, die folgen, Immer wieder kommen, wir schauen gemeinsam hin, warum Anhänglichkeit kein Zeichen von Schwäche ist und warum sie oft genau das Gegenteil bedeutet, wann Anhänglichkeit sogar ein sehr gutes Zeichen ist.
00:22:00: Darum geht es in der nächsten Folge.
00:22:02: Ich freue mich, wenn du wieder dabei bist.
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