# 16 Immer nur Mami! Wenn Kinder viel Nähe brauchen (anhängliche Kinder 1/3)

Shownotes

Dein Kind will immer nur dich. Du kannst nicht alleine aufs Klo. Nicht kurz rausgehen, ohne Tränen, Panik oder Drama.

Und irgendwo in dir tauchen diese Zweifel auf: Mache ich etwas falsch? Verwöhne ich mein Kind? Kann ich mich nicht lösen?

In dieser Folge schauen wir diese Frage ehrlich an: Ist mein Kind wirklich zu anhänglich oder zeigt es womöglich etwas ganz Gesundes?

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00:00:10: Hallo und ganz herzlich willkommen beim Podcast Kleine Herzen, große Verbindung dem Podcast für Eltern, die weniger schimpfen und mehr staunen wollen.

00:00:18: Vielleicht kennst du diese Sätze, Mama, du darfst nicht weggehen.

00:00:22: Ich möchte bei dir bleiben.

00:00:25: Vielleicht sagt dein Kind auch gar nichts und hält sich einfach an dir fest.

00:00:29: Oder es weint, wenn du weggehst, Herz zereißend.

00:00:33: Und vielleicht fühlst du dich dann nicht nur geehrt, wenn dein Kind so fest an dir klebt.

00:00:38: Womöglich kennst du auch dieses Kribbeln im Bauch, wenn dein Kind dir immer am Rockzipfel hängt, wenn du nicht mal alleine aufs Klo gehen kannst, wenn du nicht mal in Ruhe duschen kannst oder abends weggehen, wenn das jedes Mal zu einem Weltuntergang führt.

00:00:56: Und dann stehst du irgendwo zwischen Verständnis, schlechtem Gewissen und genervt sein.

00:01:04: Verständnis, weil du siehst, mein Kind braucht mich noch.

00:01:08: Und ein schlechtes Gewissen, weil du denkst, habe ich mein Kind verwöhnt, kann ich nicht loslassen?

00:01:15: Oder auch soll ich weniger arbeiten?

00:01:19: Darf ich jetzt nicht in meine geliebte Sportstunde?

00:01:22: Ist mit unserer Bindung etwas nicht in Ordnung?

00:01:27: Und womöglich gesellt sich noch das genervt sein dazu, weil du innerlich schreist, mach doch jetzt dieses einmal wenigstens mit.

00:01:35: Mach dieses einmal wenigstens kein Theater.

00:01:39: Es ist ja nur der Papa.

00:01:40: Andere Kinder machen da auch mit.

00:01:44: Je nach Tagesform ist eine andere Stimme in dir lauter.

00:01:49: Und das Tüpfelchen auf dem i ist womöglich noch, sobald du raus bist, ist das Weinen vorbei.

00:01:54: Und das Kind spielt fröhlich.

00:01:56: Und dann fragst du dich, war das jetzt echter Trennungsschmerz?

00:02:01: Oder ist es einfach nur ein Theater?

00:02:04: Manipuliert mich mein Kind?

00:02:07: So viel innere Verunsicherung.

00:02:10: verständlicherweise und die wollen wir heute und in den nächsten beiden Folgen über anhängliche Kinder gemeinsam sortieren.

00:02:18: Heute "Wenn dein Kind dich ständig braucht und du dich fragst ob etwas nicht stimmt" dem gehen wir auf die Spur.

00:02:25: Nächste Woche lass uns verstehen "Warum

00:02:28: Abschiede deinem Kind gefühlt das Herz brechen und dir selbst den Boden unter den Füßen wegziehen und erfährst auch wie sich echte Selbstständigkeit entwickelt."

00:02:40: Und in der Folge drei von dieser Miniserie erfährst du, wie du deinem Kind bei abschieden Halt gibst, ohne dich selbst zu verlieren, mit ganz konkreten Alltagstipps.

00:02:53: In der Tat haben sehr viele Eltern ein anhängliches Kind oder sogar mehrere davon.

00:02:59: Und so viele Eltern fühlen sich falsch damit an.

00:03:04: Und da möchte ich heute mit dir genau hinschauen.

00:03:07: Denn das eigentliche Problem ist nicht das Kind.

00:03:10: Das eigentliche Problem ist oft der Druck.

00:03:13: Der Druck, wie es sein sollte, der Druck, wie schnell es gehen müsste, der Druck, das ein Kind doch jetzt mal langsam alleine spielen müsste, alleine einschlafen müsste, alleine in die Spielgruppe gehen müsste oder ohne Mucks in der Kita bleiben sollte.

00:03:29: Und vielleicht, wenn du jetzt hier zuhörst, entspricht dein Kind diesen Erwartungen nicht.

00:03:35: Und du fragst dich: "Liegt es an mir?"

00:03:39: Sollte ich strenger sein?

00:03:40: Klarer?

00:03:42: Oder legt es sogar an unsere Bindung?

00:03:46: Dann wird ganz schnell aus einem komplett natürlichen Nähebedürfnis ein großes Problem.

00:03:54: Dann wird aus einem Kind, das sich an seinen engsten Bindungsmenschen orientiert, ein Kind, das ein Theater macht.

00:04:03: Natürlich ist es nicht immer ganz schwarz-weiß.

00:04:07: Und Bindungsdynamiken sind oft vielschichtig und es lohnt sich, selbstverständlich ein Problem von verschiedenen Seiten anzuschauen.

00:04:17: Aber eines möchte ich hier in dieser Serie gleich am Anfang ganz klar sagen.

00:04:25: Nah sein wollen.

00:04:27: Dieses riesige, teilweise fast übermächtige Bedürfnis, unsere Kinder uns nah zu sein, hat seit Jahrtausenden das Überleben der Menschheit gesichert.

00:04:38: Kaum etwas ist natürlicher als ein Kind, das seinen Lieblingsmenschen nah sein will.

00:04:46: Wir brauchen als erstes ganz viel von diesem nah sein wollen.

00:04:51: Von diesem

00:04:52: ich möchte bei dir sein, ich möchte aber auch so sein wie du.

00:04:55: Ich möchte zu dir gehören, bevor sich irgendwann später in kleinen Schritten Unabhängigkeit entwickelt.

00:05:07: Diese Reihenfolge können wir nicht umdrehen.

00:05:11: Übrigens, kleine Bemerkung am Rande, es gibt ganz viel scheinbare Unabhängigkeit.

00:05:16: Lasst euch da nicht täuschen.

00:05:18: Nur weil ein Kind ohne Mucks mitmacht, heißt es noch lange nicht, dass es innerlich wirklich reif und echt unabhängig ist.

00:05:28: Wenn unsere Kinder zur Welt kommen, und es verändert sich dann oft nicht so schnell, wie wir das meinen, ist ihr größtes Bedürfnis, uns nah zu sein.

00:05:39: Und das ist gut so.

00:05:41: Es ist gut, wenn unsere Kinder bei uns Sicherheit suchen, von uns lernen wollen und sich bei uns Eltern bzw.

00:05:49: bei den Bindungspersonen, bei den Beziehungspersonen am wohlsten fühlen.

00:05:56: Alles andere würde mich beunruhigen.

00:05:59: Es ist gut und es ist anstrengend.

00:06:04: Ich möchte nicht schön reden, wie herausfordernd das sein kann, weil wenn du gerade mittendrin stehst, dann ist es nicht einfach nur schön, wenn dein Kind immer bei dir sein möchte, immer an deinem Rockzipfel hängt.

00:06:18: Dann fühlt sich das manchmal unfassbar einnehmend an und manchmal schier erdrückend.

00:06:23: Du würdest vielleicht nicht unbedingt drei Tage Pause verlangen, du wärst ja schon mit einer halben Stunde zufrieden, ein paar Minuten für dich.

00:06:33: Und dein Kind braucht dich aber so nah, um geborgen einschlafen zu können.

00:06:38: um überhaupt einschlafen zu können, womöglich.

00:06:42: Und zwar nicht nur, wenn es erst sechs Monate jung ist, das wäre ja verständlich, damit hast du vielleicht auch gerechnet, sondern womöglich auch, wenn es zwei Jahre alt ist.

00:06:53: Und mit fünf, nachdem es mit dem Kindergarten gestartet ist, fängt das Ganze nochmal von vorne an.

00:06:59: Das sind anstrengende Jahre.

00:07:02: Nicht weil dein Kind falsch ist, sondern weil in unserer Gesellschaft das unterstützende Dorf fehlt, die Großfamilie fehlt.

00:07:10: Wir bräuchten eine Uroma, die nicht mehr so gut zu Fuß ist, aber bei der das Kleinkind ein sicheres Zuhause hat und sich immer ankuscheln kann.

00:07:19: Wir bräuchten Schwestern, Cousins, Nachbarn, mit denen wir manche Arbeiten teilen könnten.

00:07:26: Eltern sind chronisch überlastend.

00:07:30: Und wenn man dann nach einem Fehler sucht, landet man ganz schnell beim Kind, das Kind ist zu anhänglich, zu anstrengend.

00:07:37: Oder bei den Eltern.

00:07:39: Ihre Erziehung ist einfach nicht konsequent genug.

00:07:42: Gelobt und hochgehoben werden:

00:07:46: Eltern, deren Kinder abends alleine einschlafen, Kinder, die ohne Mucks in der Kita bleiben, wow, ihr habt es echt gut gemacht.

00:07:56: Wie kommen wir drauf, dass Eltern, deren Kind abends zum Einschlafen noch kuschelige, warme Nähe braucht, etwas falsch gemacht hätten?

00:08:06: Oder hat dir schon mal jemand auf die Schultern geklopft dafür?

00:08:08: Dass dein Kind dich sogar mit in die Spielgruppe nehmen möchte.

00:08:12: Dafür, dass dein neunjähriges Kind abends noch deine Nähe braucht und mit dir noch lange über den Tag sprechen möchte.

00:08:21: Oder dafür, dass es so gern bei dir ist, sich bei dir erholt und bei dir wirklich zur Ruhe kommt.

00:08:28: Hat dir dafür schon mal jemand auf die Schultern geklopft?

00:08:31: Wahrscheinlich nicht.

00:08:34: Und statt einem auf die Schulter klopfen, kommt eher sowas wie, du bist eine Glucke.

00:08:41: Glucke.

00:08:42: Das ist schon fast ein Schimpfwort.

00:08:44: Dabei ist es eigentlich etwas wunderwunderschönes.

00:08:48: Stell dir dieses Bild vor, die Henne, die ihre kleinen Küken schützend unter sich nehmen können, wo die Kleinen sich so richtig eingraben können.

00:09:02: Die Henne würde ihr Leben geben für ihre Jungen.

00:09:04: Sie schützt sie vor allen Äußeren einflüssend.

00:09:08: Sie schützt sie vor jeglichen Gefahren und die Küken.

00:09:13: Ihr Leben ist komplett von der Mama-Henne abhängig.

00:09:16: Sie würden nicht überleben ohne diesen Schutz, zumindest in der Natur nicht.

00:09:21: Und jetzt prüf gerne mal, ist da irgendetwas Ungesundes daran?

00:09:28: Ist das etwas, was wir wegtrainieren sollten, dass die Küken bei der Mama-Henne Schutz suchen, sich ihr immer hinterherlaufen?

00:09:37: Ist das etwas, was wir abgewöhnen müssten?

00:09:40: Nein!

00:09:41: Im Gegenteil!

00:09:43: Die kleinen noch sehr verletzlichen Küken, die bekommen den Schutz, den sie brauchen.

00:09:48: Den sie noch brauchen.

00:09:50: Sie werden ihn nicht für immer brauchen, aber sie brauchen ihn jetzt.

00:09:53: Und sie wissen, wo sie diesen Schutz bekommen.

00:09:58: Das ist etwas ganz, ganz Wunderbares.

00:10:00: Unsere Kinder sollen wissen, wo sie Schutz bekommen.

00:10:03: Und ja, das müssen sie viele, viele Jahre lang aktiv erleben.

00:10:08: Das ist nicht etwas, was sie in der Theorie lernen, sondern... im ganz realen Erleben.

00:10:15: Wenn diese Stimmen, dein Kind sollte das jetzt doch endlich können.

00:10:20: Sehr laut werden in dir.

00:10:23: Oder aber, wenn du einfach nur noch müde oder genervt bist, dann machst du das, womöglich, was ganz viele Eltern machen.

00:10:35: Sie schubsen die Kinder von sich weg.

00:10:38: Die sollen gefällig selbst zurechtkommen.

00:10:40: Geh, mach selber.

00:10:41: Das kannst du, du bist schon groß.

00:10:43: Dein Bruder hat auch nicht so ein Theater gemacht, andere Kinder machen das auch.

00:10:50: Das passiert ganz schnell, weil es alle machen, weil es ganz viele machen, nicht alle natürlich, aber ganz viele.

00:10:59: Wir sind als Gesellschaft davon besessen, unsere Kinder in die Selbstständigkeit zu bewegen.

00:11:09: Und dabei verstehen wir aber oft nicht, wie echte Selbstständigkeit sich wirklich entwickelt, weil die können wir nicht erzwingen.

00:11:17: Wir schubsen also unsere Kinder von uns weg und dann, ein paar Jahre später, sind wir enttäuscht darüber, dass sie nicht mehr unseren Rat wollen, dass sie nicht mehr mit der Familie in den Urlaub gehen wollen, dass sie uns nicht mehr erzählen, was sie wirklich bewegt.

00:11:36: Solange sie klein sind, schubsen wir sie und später wünschen wir uns, sie würden unsere Nähe suchen.

00:11:44: Das macht keinen Sinn.

00:11:47: Es ist wirklich ein gutes Zeichen.

00:11:49: wenn dein Kind deine Nähe sucht.

00:11:52: Bei dir fühlt es sich sicher, bei dir kommt es zur Ruhe.

00:11:56: Bei dir weiss es, dass du für sein Überleben sorgst, so wie die Henne für ihre Küken sorgt.

00:12:02: Das ist kein Zeichen von Verwöhnung, sondern es ist ein Zeichen von Bindung.

00:12:08: Und Bindung ist die Grundlage für alles, was wir uns später so wünschen für unsere Kinder.

00:12:14: Für Mut, für Selbstständigkeit, für innere Stärke.

00:12:20: Wenn diese Nähe sich für dich anstrengend anfühlt, dann bedeutet es nicht, dass sie falsch ist.

00:12:26: Falsch ist nur, dass Eltern vieles alleine tragen, was früher gemeinschaftlich getragen wurde.

00:12:34: Dass du dich erschöpft fühlst, sagt erst mal nichts über die Qualität eurer Bindung.

00:12:39: Es sagt etwas über die Rahmenbedingungen, in denen du lebst.

00:12:44: Dein Kind zeigt mit seinen Anhänglichkeiten nicht, dass etwas schief läuft, es zeigt dir primär

00:12:51: wo es sich sicher fühlt, wo es zu Hause ist.

00:12:55: Und daran ist nichts falsch.

00:12:57: Du bist nicht falsch, dein Kind ist nicht falsch.

00:13:00: Das Bedürfnis deines Kindes nach verlässlicher Nähe passt womöglich nicht immer so gut in unsere Welt.

00:13:09: Aber es passt perfekt in die Entwicklungslogik deines Kindes.

00:13:16: In der nächsten Folge schauen wir gemeinsam tiefer hin.

00:13:19: Wenn dein Kind bei Abschieden, herzerbrechend weint und du innerlich zwischen Mitleid, Schuldgefühlen, aber auch Durchhalten schwankst, dann lass uns gemeinsam anschauen, warum unreife Kinder so große Schwierigkeiten mit Trennung haben.

00:13:33: Außerdem erfährst du in der nächsten Folge auch, wie echte langfristige Selbstständigkeit entsteht.

00:13:40: Bis dahin klopft dir ab und zu auf die Schultern, wenn dein Kind gerne bei dir ist.

00:13:45: Bei dir muss es wohl sehr schön sein.

00:13:48: Wenn dir die Folge gefallen hat, teile sie super gerne mit deinen Freunden oder auf deinem Status.

00:13:53: Danke für eure mega Unterstützung Woche für Woche.

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