#20 Eifersucht vorbeugen - so gibst du deinem Kind Halt (2/3)

Shownotes

Du willst gerecht sein. Du zählst ab, erklärst, vermittelst und trotzdem eskaliert es immer wieder.

In dieser Folge erfährst du, warum Fairness Eifersucht nicht löst und was Kinder stattdessen wirklich brauchen.

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Transkript anzeigen

00:00:10: Hallo und ganz herzlich willkommen bei Kleine Herzen große Verbindung, dem Podcast für Eltern, die weniger schimpfen und mehr staunen wollen.

00:00:20: Mama, das ist aber unfair!

00:00:22: Vielleicht hast du diesen Satz mehrmals am Tag, beim Frühstück, beim Anziehen, beim Spielen und irgendwann denkst du, fühlt sich hier eigentlich immer jemand benachteiligt?

00:00:33: Heute lade ich dich ein, Eifersucht einmal ganz anders zu betrachten.

00:00:37: Nicht als Geschwisterproblem und nicht als Frage von Fairness.

00:00:42: Vielleicht geht es bei Eifersucht gar nicht um Geschwister, sondern um etwas ganz anderes.

00:00:48: Willkommen zur zweiten Folge unserer dreiteiligen Serie raus aus der Eifersuchtsfalle.

00:00:54: In der letzten Folge haben wir gemeinsam hingeschaut, was wirklich in der Eifersucht steckt,

00:00:59: dass das größte Bedürfnis unserer Kinder nicht Gerechtigkeit ist, sondern Zugehörigkeit und Willkommen sein.

00:01:06: Und dass das, was wie Geschwister Rivalität aussieht, oft einfach die leise Frage ist, bin ich bei dir willkommen?

00:01:14: Ist mein Platz sicher?

00:01:17: Anhand von Laras Geschichte, die so ganz aus dem Nichts ihren Bruder umgehauen hat, haben wir gesehen, dass Konflikte manchmal gar nichts mit der Geschwisterbeziehung an sich zu tun haben.

00:01:29: Vielleicht kennst du dieses Gefühl, du willst es wirklich richtig machen.

00:01:33: Du willst gerecht sein, du zählst ab, erklärst und vermittelst und trotzdem eskaliert es immer wieder.

00:01:43: Mama, ich will aber zuerst.

00:01:45: Mama, ich bekomme immer weniger.

00:01:48: Manchmal klingt Eifersucht versucht wie ein Vorwurf, wie ein Anspruch wie Undankbarkeit.

00:01:55: Und doch ist sie ganz oft etwas ganz anderes.

00:01:59: Viele von euch haben beschrieben, dass dieses Gefühl von Mangel und zu kurz kommen den ganzen Tag mitschwingt.

00:02:07: Eine Mama erzählt, es fängt am Morgen schon an, wer wie lange kuscheln darf, wem zuerst das Brot gestrichen wird.

00:02:14: Oder eine andere Mama, es hört gefühlt nie auf.

00:02:17: Seit zwei Jahren nichts gönnen, der Große will Chef sein, der Jüngere lässt sich nichts gefallen, erster sein, schneller sein, mehr im Glas haben, sie finden immer etwas.

00:02:30: Woher kommt dieses große Gefühl von Mangel?

00:02:34: Warum haben Kinder das Gefühl, ständig zu wenig zu bekommen?

00:02:39: Ist das wirklich Geschwister-Rivalität?

00:02:43: Wenn das größte Bedürfnis unserer Kinder Bindung ist, dann dürfen wir uns auch nicht wundern, dass die größten Kämpfe genau dort entstehen.

00:02:53: Es geht also nicht darum, ob das Kind auch wirklich genau das gleiche Spielzeug bekommt wie das Geschwisterchen, sondern vielmehr um die Frage, hast du mich immer noch lieb?

00:03:03: Bin ich bei dir sicher?

00:03:06: Und hier gibt es tatsächlich viele Kinder, die zu wenig bekommen, obwohl genug Liebe da wäre.

00:03:14: Kinder, die am vollen Tisch sitzen und sich trotzdem nicht satt fühlen.

00:03:19: Wie kann das sein?

00:03:21: Eltern sagen mir ganz oft, ich gebe den ganzen Tag so viel, aber es reicht einfach nicht.

00:03:28: Ich kann nicht mehr.

00:03:30: Mein Kind ist nie zufrieden.

00:03:32: Und genau hier liegt ein großes Missverständnis.

00:03:36: Es geht nicht darum, noch mehr zu geben.

00:03:39: Aber warum gibt es Kinder, die nie zufrieden sind, die das Gefühl haben, sie müssen das Kuchenstück abwiegen und nur dann zufrieden sind, wenn ihr eigenes Stück mindestens ein Gramm schwerer ist?

00:03:51: Warum kämpfen diese Kinder immer um noch mehr?

00:03:56: Weil sie innerlich nicht zur Ruhe kommen.

00:04:00: Sie haben das Gefühl, für die Liebe arbeiten zu müssen.

00:04:05: Sicherzustellen, dass sie auch wirklich ankommt.

00:04:10: Um zu verdeutlichen, wie sich das anfühlt, möchte ich dich kurz mitnehmen.

00:04:15: In dein Lieblingsrestaurant.

00:04:17: Du sitzt in einer wunderschönen Ecke in deinem Lieblingsrestaurant.

00:04:20: Es ist ein besonderer Abend und du hast dich auf ein gutes Essen und entspannte Stunden gefreut.

00:04:27: Dich einfach mal wieder

00:04:29: so richtig verwöhnen lassen.

00:04:32: Der Tisch ist schön gedeckt, die Kerzen flackern und die vertraute Atmosphäre hüllt dich ein.

00:04:39: Ihr bestellt die Vorspeise und der Kellner bringt sie wenig später an den Tisch.

00:04:43: Aber in dem Moment, wo du nach dem Besteck greifen willst, merkst du, dass keines da ist?

00:04:49: Entschuldigung, dürften wir noch Besteck haben?

00:04:52: fragst du höflich?

00:04:53: Natürlich, gleich!

00:04:55: Der Kellner verschwindet und bringt kurz darauf das Besteck.

00:04:59: Du bedankst dich, aber ein kleiner Stich der Unzufriedenheit regt sich in dir.

00:05:05: Die Vorspeise schmeckt und du freust dich auf den Hauptgang.

00:05:10: Aber während ihr wartet, vergeht Zeit.

00:05:14: Erst zehn Minuten, dann fünfzehn.

00:05:18: Kein Hauptgang in Sicht.

00:05:20: Schließlich hältst du den Kellner an, der an deinem Tisch vorbei hastet.

00:05:25: Entschuldigung, unser Hauptgang kommt der noch.

00:05:29: Er schaut verwirrt auf seinen Block.

00:05:31: Oh, da ist etwas schief gelaufen.

00:05:33: Ich geb die Info gleich in die Küche weiter.

00:05:35: Tut mir leid, nur deinen kleinen Augenblick.

00:05:38: Es dauert noch einmal zwanzig Minuten.

00:05:42: Bis das Essen endlich serviert wird.

00:05:45: Es sieht wunderbar aus.

00:05:46: Du nimmst den ersten Bissen.

00:05:49: Und ja, es schmeckt.

00:05:51: Aber das Gefühl, einfach genießen zu können, stellt sich nicht ein.

00:05:59: Du bist satt.

00:06:00: Aber nicht genährt.

00:06:02: Nachdem der Teller aufgeräumt wird, hoffst du auf den Nachtisch.

00:06:06: Die Creme brûlée ist immer das Highlight deines Abends hier.

00:06:11: Aber der Kellner kommt nicht zurück.

00:06:12: Die Minuten ziehen sich, eine Viertelstunde vergeht, dann eine halbe Stunde.

00:06:17: Du bist ungeduldig und stehst schließlich auf, um nachzufragen.

00:06:20: Entschuldigung, wir warten schon ziemlich lange auf unseren Nachtisch.

00:06:24: Oh, das tut mir leid, ich bring ihn sofort.

00:06:27: Wenig später steht die Creme brûlée vor dir.

00:06:30: Sie sieht perfekt aus.

00:06:32: Die Karamellschicht glänzt golden.

00:06:35: Du nimmst einen Löffel, brichst die knusprige Schicht auf und probierst.

00:06:42: Der Geschmack ist genauso wie immer.

00:06:46: Aber irgendwie fehlt etwas.

00:06:50: Die Wärme, das Gefühl, verwöhnt zu werden.

00:06:55: Du schaust deine Begleitung an und sagst leise, weißt du, wenn ich mich um alles selbst kümmern muss, ist es eigentlich nichts Besonderes mehr.

00:07:05: Das Gefühl, um sorgt zu werden, das, was einen Restaurantbesuch besonders macht, hat gefehlt.

00:07:14: Es gibt Kinder, die bestellen jeden einzelnen Gang ihre Mahlzeiten selbst.

00:07:21: Sie fühlen sich verantwortlich für die Bindung, sie arbeiten für Liebe, obwohl sie das eigentlich nicht müssten.

00:07:28: Und wenn ein Kind in diese Rolle steckt, kann es nicht zur Ruhe kommen.

00:07:33: Dieses Kind muss immer Acht geben, ob es auch Ja genug bekommt, ob auch Ja geliefert wird, was es bestellt hat.

00:07:40: Und doch wird es nicht satt.

00:07:42: Dieses Kind muss ständig prüfen, bekomme ich genug, bin ich dran, bleib noch etwas für mich übrig.

00:07:49: Und genau so sieht es im Alltag aus.

00:07:53: Vergleichen, abzählen, Eifersucht, Missgunst, Streit unter Geschwistern.

00:08:00: Nicht!

00:08:01: weil das andere Geschwisterkind ein Problem wäre, sondern weil das eigene Herz nicht satt wird, nicht zur Ruhe kommt, weil es sich nicht als Geschenk anfühlt.

00:08:16: Wenn ich mich selbst um alles kümmern muss, ist das eigentlich nichts Besonderes.

00:08:22: Kinder, die in dieser Rolle gebunden sind, müssen innerlich ständig arbeiten.

00:08:27: Sie können schwer loslassen, sie können sich nicht ausruhen, nicht auftanken.

00:08:34: Eltern sagen mir dann oft ich gebe den ganzen Tag so viel aber es reicht einfach nicht ich kann nicht mehr.

00:08:42: und ja irgendwann kann man nicht mehr.

00:08:45: es fühlt sich an wie ein Fass ohne Boden ganz egal ob du ein Kind hast oder fünf und es kann auch wirklich nicht reichen solange dein Kind nicht spürt da ist jemand der sorgt für mich der weiß genau was ich brauche

00:09:01: hier bin ich sicher.

00:09:04: Dieses Gefühl von zu kurz kommen ist der perfekte Nährboden für Eifersucht.

00:09:09: Egal, wo das Kind hinschaut, es kommt immer zum Schluss, ich bekomme zu wenig.

00:09:15: Und hier ist etwas ganz wichtig.

00:09:17: Das elementarste Bedürfnis unserer Kinder ist Bindung.

00:09:21: Aber Bindung allein reicht nicht.

00:09:24: Das Entscheidende ist die Art und Weise, wie ein Kind an seine Eltern gebunden ist.

00:09:30: Ob es sich versorgt und getragen fühlt, oder ob es das Gefühl hat, es müssen sich diese Liebe, diese Nähe verdienen.

00:09:39: Wenn du rauskommen willst aus der Eifersuchtfalle, dann schau nicht nur auf die Geschwisterbeziehung.

00:09:44: Schau auch auf die Bindung deines Kindes an dich.

00:09:49: Vielleicht hast du einen kleinen Chef zu Hause, ein Kind, das sich für alles verantwortlich fühlt und bestimmen muss.

00:09:55: Oder dein Kind ist sehr angepasst, macht was du sagst und arbeitet hart, um ganz sicher zu sein, ich werde geliebt.

00:10:05: Jetzt, wo wir den Ursprung für ganz viel Unzufriedenheit und auch Revalität kennen, stellt sich die Frage, warum kommen Kinder in diese verantwortliche Rolle?

00:10:14: Wie kann es passieren, dass nicht mehr wir Eltern die Leitwölfe sind, sondern das Kind?

00:10:20: Wenn ihr die Moment Schwierigkeiten habt in eurem Bindungstanz, dann ist das Kind nicht das Problem.

00:10:26: Zum Glück.

00:10:28: Und auch du bist nicht das Problem.

00:10:30: Das Schwierige ist etwas ganz anderes.

00:10:33: Es ist nicht klar.

00:10:35: Wer für wen sorgt?

00:10:38: Wer wen führt?

00:10:40: Was beim Tanzen kompliziert ist, ist im Bindungstanz genau so ein Problem.

00:10:45: Wenn nicht klar ist, wer wen versorgt, macht das das Ganze enorm anstrengend.

00:10:51: Deshalb reicht es nie und deshalb sind Neid und Missgunst überall.

00:10:56: Nicht weil das Kind mehr will, sondern weil es innerlich seinen Platz nicht findet.

00:11:02: Wie kann es dazu kommen?

00:11:05: Es gibt verschiedene Ursachen, warum Kinder und ihre Eltern in diese vertauschten Rollen rutschen.

00:11:11: Beispielsweise, wenn viel Härte, Kälte, Vorwürfe oder Strafen im Spiel sind.

00:11:17: Diese Kinder folgen zwar vielleicht, aber aus Angst, nicht aus Vertrauen.

00:11:23: Und damit sie folgend, muss der Druck immer größer werden.

00:11:26: Und die Verbindung leidet.

00:11:28: Hier braucht es unbedingt andere Wege.

00:11:31: Wege, die die Verbindung stärken

00:11:33: statt sie weiter zu belasten.

00:11:36: Ein weiterer Grund, warum Eltern und ihre Kinder in diese vertauschten Rollen rutschen können, ist dann, wenn Eltern selbst sehr unsicher sind.

00:11:47: Wenn ein Kind immer wieder spürt, du bist so schwierig.

00:11:50: Ich weiß nicht mehr, wie ich mit dir umgehen soll.

00:11:53: Ich halte das fast nicht mehr aus mit dir.

00:11:56: Dann übernimmt das Kind oft unbewusst die Verantwortung für die Stimmung, für die Beziehung

00:12:03: und für die Nähe.

00:12:06: Manche Kinder, und auch das ist ein möglicher Grund für vertauschte Rollen, manche Kinder sind sehr sensibel.

00:12:13: Neurodivergente Kinder, hochsensible, hypersensitive Kinder, sie erleben die Welt als laut, überwältigend und unsicher.

00:12:23: Allein unsere Geräuschkulisse, die vielen Eindrücke, die ständigen Bewegungen, können sie innerlich überfordern.

00:12:31: Auch hier beginnt das Kind womöglich, selbst für Sicherheit zu sorgen.

00:12:36: Und ein weiserer möglicher Grund, und das ist mir ganz besonders wichtig, passiert aus sehr guter Absicht.

00:12:45: Wir wünschen uns, dass unsere Kinder ihren freien Willen entfalten können.

00:12:50: Wir wollen sie ernst nehmen, sie beteiligen, sie wählen lassen.

00:12:56: Und so stellen wir ihnen den ganzen Tag fragend, möchtest du dies oder doch lieber jenes?

00:13:01: Und weil wir Ihnen so viele Fragen stellen und Ihnen so viel Freiheit geben wollen, getrauen wir uns manchmal nicht, wirklich Führung zu übernehmen.

00:13:12: Und für das Kind fühlt sich das womöglich nicht frei an, sondern unsicher.

00:13:19: Und unbewusst übernimmt es die Verantwortung im Bindungstanz.

00:13:24: Unbewusst übernimmt es mehr Verantwortung, als ihm guttut.

00:13:29: Wenn du beobachtest, dass dein Kind nie genug bekommt, sich immer vergleichen muss, immer kämpfen muss, nie zufrieden ist, dann seid ihr womöglich in eurem Bindungstanz an einer Stelle falsch abgebogen.

00:13:46: Die gute Nachricht ist, das Herz deines Kindes kannst du zurückgewinnen.

00:13:52: Vielleicht hast du irgendwann zu einem Erziehungsstil gegriffen, der euch gar nicht gut tut.

00:13:57: Vielleicht habt ihr schwere Zeiten hinter euch, Schicksalsschläge erlebt, viel Stress, viel Druck und vielleicht fühlt sich das heute so an, als hätte ihr eure Verbindung verloren.

00:14:08: Aber du kannst die Verbindung wieder aufnehmen, diese wieder stärken.

00:14:13: Du bist die Große im Bindungstanz und dein Kind wartet darauf, sich wieder bei dir anlehnen zu dürfen.

00:14:21: Wo Bindung wieder in ihre gesunde Ordnung findet, verliert Eifersucht ihren Boden.

00:14:28: Wie deine Liebe bei deinem Kind wirklich ankommen kann, darum geht es in der nächsten Folge.

00:14:33: Eifersucht überflüssig machen, so gelingt es.

00:14:38: Wenn ein Kind innerlich satt ist, muss es nicht vergleichen.

00:14:44: Wenn du merkst, dass diese Folge etwas in dir berührt und sortiert hat, teil sie total gerne mit einer anderen Mama, einem anderen Papa, die das gerade auch brauchen könnte.

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